Der Arabische Frühling ist allgegenwärtig. Ägypten, Tunesien und Syrien sind in den Medien täglich präsent. Der Bevölkerung geht es um Mitspracherecht, demokratische Strukturen und um die Forderung nach Grundrechten. Frauen, Kinder und Studenten leiden in erster Linie unter diesen konservativen Strukturen. So auch im Jemen, eines der ärmsten Länder der Welt und wohl eines mit den diffizilsten Machtgefügen und Strukturen der arabischen Halbinsel! Wir sind zu Besuch in diesem wunderschönen Land, welches einst auch Günter Grass besuchte und wie auch wir ins schwärmen geriet. *Jemen auf dem Weg zum Arabischen Frühling*

Die Stadt 'Amman' in Jordanien kann wohl, neben Kairo, als die Tür in die Arabische Welt bezeichnet werden! 500km von Bagdad entfernt, ist diese Stadt Dreh & Angelpunkt in den vergangenen Jahren gewesen. Durch seine exponierte Lage, die Nähe zu 'Petra' und dem toten Meer zieht es auch heute noch Touristen aus aller Welt an, die so ein unvergessliches Bild von der arabischen Kultur und Geografie gewinnen! Am südlichsten Zipfel der arabischen Halbinsel, gegenüber von Somalia, liegt der Jemen. Ein Land, das bei verschiedensten Organisationen, oft als eines der ärmsten Länder der Welt deklariert wird. Auf Grund der sehr konservativen Strukturen fällt es Kindern und Frauen oft nicht leicht ihren Träumen und Wünschen nachzugehen - geschweige denn sie zu erfüllen! Sana'a, die Hauptstadt des Jemen. Sie besticht durch eine wunderschöne Altstadt, die durch seine beispiellose Architektur, wohl in dieser Form - einmalig - ist. Gerade in den Morgen- und Abendstunden modelliert die Sonne, Konturen und Schatten der Häuser zu einem Märchen, das man so wohl nur aus 'Tausend und einer Nacht' kennt!

Das Leben der Zwei-Millionenstadt ist jedoch auch geprägt, durch immer wiederkehrende Konflikte zwischen Regierung und Oppositionellen, durch Strom, Wasser und Treibstoffdefizite, durch Konflikte zwischen verfeindeten Klans und zwischen Arm und Reich. Vor allem jedoch durch die unsprengbaren konservativen Strukturen. So zeichnet das Stadtbild von Sana'a, eine Vielzahl an komplett umhüllten Frauen in traditionellen Gewändern, ein dominierendes Männerbild, die auf dem Suk (Markt) versuchen Ihren Lebensunterhalt, mit verschiedensten Erzeugnissen, zu verdienen. Eine starke Verbindung zwischen Vätern und Söhnen und eine große Anzahl an Kindern, die schon in jungen Jahren versuchen ihren eigenen Anteil am Verdienst der Familie zu erbringen ergänzt dieses Bild. Das Leben und das traditionelle Handwerk finden dabei hauptsächlich außerhalb der eigenen Wände statt. Und dazu gehört auch Kat. Eine Pflanze, die sich durch das ganze gesellschaftliche Leben und Schichten zieht. Ihre Blätter werden gekaut und entfalten eine berauschende Wirkung. Geschäftsabschlüsse, Hochzeiten und Mittagspausen werden mit dieser 'Droge' besiegelt, gefeiert & abgehalten. Sie ist wohl auch einer der Faktoren, die es dem Land schwer macht, wirtschaftlich erfolgreich zu sein...

Der Jemen ist auch eins der Länder mit der höchsten Waffendichte der Welt! Jeder zweite hat eine Waffe, die er entweder zuhause oder öffentlich zur Schau trägt. Strassensperren an jeder zweiten Kreuzung, gestapelte Sandsäcke und Patrouillen der verschiedenen politischen Lager sorgen für die Sicherheit der Bevölkerung. Wobei der penetrante Sicherheitsgedanke des Regimes, in der Bevölkerung oftmals mehr Ängste schürt als Sicherheit gewährt. Die Präsenz des Militärs und deren Opposition ist somit eher kontraproduktiv! Die Frage 'Wer schützt Wen' ist oft unklar und schürt mehr Angst als Vertrauen! Am 'Tahrir-Platz', in der Nähe der Universität, versammeln sich verschiedene Organisationen, Leute und Kinder, die durch Mauern und Wachleute abgeschottet, ihre Freiheit, ihre Rechte und Demokratie gegenüber der Regierung einfordern. Eine Lösung der Problematik ist jedoch noch weit nicht abzusehen! Eine Vielzahl an Konflikten innerhalb der Klans, der Parteien, der Familien und fremde Interessen aus dem Ausland machen eine schnelle, unblutige Revolution wohl eher nicht möglich!

So liegt es wohl an den nächsten Generationen, die mit Facebook, Twitter und Co. aufwachsen eine gemeinsame Lösung zu finden und vorhandene Machtpositionen zu sprengen. Eingefahrene Strukturen müssen auf Basis kultureller Einsicht, durch eine sanfte, kooperative Revolution bereinigt werden. Mit Hilfe von diplomatischer Koordination des Westens gilt es eine Demokratie zu erschaffen, die durch den eigenen Willen und aus der Kraft der Bevölkerung heraus entsteht. Eine Demokratie die somit die Kultur und die Identität des Landes widerspiegelt. Es gilt Perspektiven aufzuzeigen, an denen sich künftige Generationen orientieren können. Ein *Arabischer Frühling* ohne Gewalt und Unterdrückung der Frauen und Kinder. Der erste Schritt ist möglicherweise schon gemacht. Die Verleihung des *Friedensnobelpreises* an die Journalistin 'Tawakkul Karman'. Sie fungiert dabei als Vorbild einer kompletten Generation. Karman gibt den Leuten Hoffnung und Perspektive und erfüllt die Bevölkerung dabei mit Stolz! 'Stolz' ein Wort, das nicht immer mit der jemenitischen Bevölkerung und ihrem nach aussen dringenden Bild in Verbindung gebracht wird!

flowDorian / Jemen - beside a Arte documentary - first of November 2011 / gallery


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